Brodeln unter der Oberfläche: Energisch und energiegeladen spielte sie schon das Allegro tranquillo von Prokofjews Sonate Nr. 5. Selbst beim ruhig schreitenden Rhythmus des zweiten Satzes brodelte es unter der glatten Oberfläche … Chick Coreas ‚Children’s Songs‘ erzählte sie mit geschickter Dramaturgie, markant akzentuiert und mit einer schlafwandlerischen Griffsicherheit sogar bei abenteuerlichen Sprüngen…. ‚I Got Rhythm‘ aus Gershwins ‚Songbook‘ erschein wie eine ins Programm genommene Zugabe. Nur Rachmaninow setzte an Verve noch eins drauf. Das von ihm bearbeitete ‚Liebesleid‘ Fritz Kreislers geriet bei ihr kolossal.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Wenn Töne der Politik zur Gefahr werden: Verfemte Klaviermusik gab es zu hören, gespielt von der fabelhaften amerikanischen Pianistin Sherri Jones. Schönbergs zwei Klavierstücke op. 33a/b entwickelte sie hochexpressiv, mit architektonischer Strenge und feinen Pedaldosierungen. Erwin Schulhoffs ‚Suite dansante en jazz‘, virtuos wie Liszt, swingend wie Goodman, spielte sie mit griffigen Rhythmen, zupackendem Elan und scharfer Konturierung. Darius Milhauds Frühlings- und Herbstszene nahm Sherri Jones ungemein dezent … und hielt sie so schön zwischen Wehmut und Glück, zartbitter eben. Zum Schluss: Eine Auswahl aus George Gershwins ‚Songbook‘, von Sherri Jones mal heißblütig, mal kaltschnäuzig … Herrliche Musik. Wenn das der „Führer“ gewusst hätte.

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Werke von Ferruccio Busoni im Mainzer Landtag: Sherri Jones erwies sich als grundgescheite, höchst engagierte bis brillante Pianistin. Sie spielte zart und bestimmt, erregend und schwärmend. Man sollte sie in einem eigenen Klavierabend wieder hören lassen – es lohnt sich.

Wolf-Eberhard von Lewinski, Mainzer Allgemeine Zeitung